OH21 - Erding
Brandschutz, Sanierung und Genehmigungsplanung
eines Verwaltungsgebäudes
Ort
Otto-Hahn-Str. 21
85435 Erding
Zeitraum
2020 – 2023
Bauherr
LO 17 Immobilien
GmbH & Co. KG
Fläche
7.379 m²
Aufgabe
Entwurf, Genehmigungs-
planung, Brandschutzkonzept, Dachsanierung, Planung und Ausführung im laufenden Betrieb
Objektart
Gewerbeobjekt mit Verw-
altungs-, Schulungs-, Büro- und Einzelhandelsflächen
Leistungsphasen
I – VIII
Das Gebäude wurde 1990 als Bürogebäude mit Tiefgarage für eine ortsansässige Brauerei errichtet. Heute beherbergt das Gebäude eine Vielzahl unterschiedlicher Nutzer. Die Hauptnutzer kommen aus dem Sozial- und Bildungsbereich und sind teilweise kommunalen Trägern zuzuordnen.
Neben einer Einzelhandelsfläche im Erdgeschoss befinden sich im Obergeschoss Verwaltungs- und Schulungsräume. Zusätzlich sind Büroräume unterschiedlicher Größe (Einzel- und Großraumbüros) in dem Gebäude untergebracht. Neben der bautechnischen und bauphysikalischen Sanierung wurde der gestalterische Aspekt als gleichrangig betrachtet. Durch den Rückbau der im Bestand vorhandenen Gauben erhielt der Baukörper eine klare und einheitliche Formensprache. Dieser wird nun durch die sechs vorhandenen Giebel gegliedert. Die vorhandenen Proportionen wurden betont und herausgearbeitet.
Auch die Innenräume wurden durch den Rückbau der Gauben deutlich aufgewertet. Durch eine moderne Lichtlösung mit Dachflächenfenstern wurden große Belichtungsflächen geschaffen, die viel Tageslicht in die Büroräume bringen.
Ein außenliegendes Sonnenschutzsystem sorgt neben der Möglichkeit der natürlichen Belüftung über öffenbare Dachfenster für ein angenehmes Raumklima.
Das Gebäude wurde während der Sanierungsphase in vollem Umfang weiter genutzt. Dies stellte eine große Herausforderung an die Koordination der Bauabläufe und deren Abstimmung mit den unterschiedlichen Nutzern dar. Für die externen Besucher der Schulungs-, Verwaltungs- und Einzelhandelseinrichtungen wurde ein gesondertes Erschließungskonzept erarbeitet. Die zeitliche Überschneidung mit einer parallel durchgeführten Brandschutzsanierung war beabsichtigt, um die gesamte Bauphase so kompakt wie möglich zu halten.
Die Dachkonstruktion, bestehend aus einem Steildach– und einem Flachdachbereich, wurde als Sargdeckel in Ortbeton ausgeführt. Das Steildach war ursprünglich in Ziegeleindeckung ausgeführt. Für die Sanierung wurde das gesamte Dach bis auf die Tragkonstruktion abgetragen und neu aufgebaut – vorhandene Gauben wurden rückgebaut. Der Steildachbereich wurde mit farbbeschichteten Aluminiumblechen als hinterlüftete Stehfalzdeckung ausgeführt.
Im Zuge der Sanierung wurde Wert auf eine wärmebrückenfreie statische Befestigung des Dachaufbaus gelegt. Im Steildach- und Flachdachbereich konnte mit einer 180 mm dicken Dämmung ein U-Wert von 0,13 [W/(m² K)] erreicht werden. Damit sind die Anforderungen für das Programm „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ eingehalten.
Aufgrund der sich im Frühjahr 2021 abzeichnenden Preissteigerungen bei Baumaterialien (insbesondere bei Bauholz, Dämmstoffen und Aluminium) wurden in Absprache mit dem Bauherrn und dem ausführenden Betrieb die benötigten Mengen vorab eingekauft und eingelagert. Dadurch konnten Preissteigerungen und Lieferengpässe vermieden werden. Trotz dieser Maßnahme musste im Bauablauf durch Umplanungen und Änderungen auf fehlende Materialverfügbarkeit reagiert werden.

Um eine Brandausbreitung zwischen einzelnen Nutzungseinheiten ausreichend lange zu verhindern, galt es im Rahmen der Brandschutzsanierung, vorhandene Trennwände zu untersuchen und diese gegebenenfalls den Vorgaben entsprechend anzupassen. Leitungsdurchführungen wurden durch Rohr- bzw. Kabelabschottungen im Bereich der Decken und Trennwände brandschutztechnisch ertüchtigt. Gleiches galt für im Bestand vorhandene Brandschutztüren sowie der Türen in Flucht- und Rettungswegen. Mängel wurden beseitigt oder betroffene Türen komplett ausgetauscht.

Ziel der brandschutztechnischen Sanierungsmaßnahme ist es, den Funktionen des Gebäudes mit seinen unterschiedlichen Nutzern gerecht zu werden. Seit der ursprünglichen Verwendung sind mehrere Nutzungsänderungen umgesetzt worden, die hieraus neu entstandenen Anforderungen an Brandschutz und Arbeitsstätten galt es zu integrieren.

Gemeinsam mit Brandschutzplanern und den zuständigen Prüfsachverständigen wurde ein Konzept entwickelt, das dem Gebäude und seiner Nutzung gerecht wird. Ziel ist es, den vorbeugenden baulichen Brandschutz zu vereinfachen und neu zu strukturieren. Im Sinne der Nachhaltigkeit – zukünftige Nutzungen mitzudenken und gleichzeitig bestehende Mängel zu beseitigen.

Im Rahmen der Brandschutzarbeiten wurden die technischen Anlagen einer umfassenden Analyse unterzogen und entsprechend der neuen Brand- und Wärmeschutzanforderungen angepasst. Dies umfasste den Rückbau und die Erweiterung von Haustechnik, die Querschnittsreduzierung der Trinkwasserleitungen, den Rückbau von Lüftungsanlagen und die Erweiterung der bestehenden Heizungsanlage.